Qualitätssicherung bei Röntgeneinrichtungen

von | 22.01.2026

Was die zahnärztliche Stelle wirklich sehen will

und warum das kein Bürokratie-Monster sein muss

Alle ein bis drei Jahre liegt er im Briefkasten: der freundliche Hinweis der zahnärztlichen Stelle, dass die Qualitätssicherung der Röntgeneinrichtung ansteht. Gesetzlich verankert in § 86 Abs. 2 Nr. 9 Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) in Verbindung mit § 130 Strahlenschutzverordnung (StrlSchV). In der Praxis oft gefürchtet wie der erste Kaffee ohne Koffein.

Dabei lohnt sich ein Perspektivwechsel: Die Qualitätssicherung ist kein Misstrauensvotum, sondern eine strukturierte Bestandsaufnahme. Sie prüft nicht, ob geröntgt wird, sondern wie gut.

 

Warum gibt es diese Prüfung überhaupt?

Der Gesetzgeber verfolgt ein klares Ziel: Patientenschutz durch dauerhaft stabile Bildqualität bei möglichst geringer Strahlenexposition. Oder anders gesagt: Gute Bilder entstehen nicht zufällig, sie sind das Ergebnis funktionierender Technik, sauberer Prozesse und nachvollziehbarer Entscheidungen. Genau das überprüft die zahnärztliche Stelle.

 

Die große Frage: Was wird eigentlich angefordert?

Unabhängig vom Bundesland ähneln sich die Anforderungen sehr stark. Unterschiede gibt es eher im Detail, nicht im Prinzip. Angefordert werden typischerweise vier große Dokumentationsbereiche.

 

Gerätezustand: „Ist die Technik in Ordnung?“

Hier geht es um die technische Basis:

  • Abnahmeprüfberichte der Röntgengeräte
  • Sachverständigenprüfberichte (umgangssprachlich: TÜV-Berichte)
  • bei digitalen Systemen zusätzlich die Abnahmeprüfung des Befundungsmonitors

Diese Unterlagen zeigen: Das Gerät war zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme und bei der letzten Prüfung technisch korrekt eingestellt und sicher.

 

Konstanzprüfungen: „Bleibt die Qualität stabil?“

Ein zentrales Element der Qualitätssicherung sind die regelmäßigen Konstanzprüfungen:

  • mehrere aufeinanderfolgende Konstanzaufnahmen mit Datum versehen
  • nachvollziehbar zugeordnet zum jeweiligen Gerät

Sie beantworten eine einfache, aber entscheidende Frage:
👉 Liefert das System heute noch dieselbe Bildqualität wie bei der Abnahme?

 

Patientenaufnahmen: „Wird die Technik sinnvoll eingesetzt?“

Jetzt wird es praxisnah und für viele auch nervenaufreibend. Die zahnärztliche Stelle fordert eine begrenzte Anzahl realer Patientenaufnahmen!

  • bei 2D-Systemen mehrere Aufnahmen unterschiedlicher Patienten
  • bei DVT zusätzlich vollständige Datensätze (keine Screenshots!)
    • Rein rechtlich reicht hier im Übrigen der reine DICOM-Stapel, ohne Viewer.

‼️ Wichtig: Es geht nicht um perfekte Bilder, sondern um plausible Indikationen und korrekte Anwendung.

 

Die Königsdisziplin: die rechtfertigende Indikation

Hier entscheidet sich oft, ob eine Prüfung entspannt oder zäh wird. Die rechtfertigende Indikation im Rahmen des ↗︎ radiologischen Befundberichtes muss:

  • patientenbezogen,
  • nachvollziehbar und
  • klinisch begründet (konkreter als „Implantatplanung“ oder „Übersicht“) sein

Gerade bei DVT-Aufnahmen spielt zusätzlich die ↗︎ gewählte Volumengröße eine zentrale Rolle. Denn: Je größer das Volumen, desto höher die Strahlenexposition (im Normalfall) und desto höher die Anforderungen an die Begründung.

Eine gute Indikation beantwortet immer drei Fragen:

  1. Warum reicht 2D nicht aus?
  2. Welche Frage soll 3D klären?
  3. Warum genau dieses Volumen?

 

Weitere Klassiker auf der Anforderungsliste

Je nach Gerätekonstellation gehören außerdem dazu:

  • schriftliche Arbeitsanweisungen (auch wenn der Zahnarzt selbst röntgt)
  • Röntgenkontrollbuch bzw. Dokumentation der letzten Aufnahmen
  • Fachkundenachweise, bei DVT explizit die DVT-Fachkunde
  • formale Unterlagen (z. B. Betreiberangaben, Zahlungsmandat)

 

Qualitätssicherung als Chance – nicht als Pflichtübung

Richtig verstanden ist die Qualitätssicherung:

  • ein Qualitätsaudit der eigenen Praxis
  • eine juristische Absicherung
  • und oft ein ehrlicher Blick auf Routinen, die sich über Jahre eingeschlichen haben

Viele Nachforderungen entstehen nicht durch schlechte Technik, sondern durch:

  • zu knappe Indikationen
  • fehlende Volumenangaben
  • unklare Zuordnung von Bildern und Dokumenten

Mit etwas Systematik lässt sich das jedoch sehr einfach vermeiden.

Ansprechpartner

📞 +49 761 38098890

✉️ info@ddz-fortbildung.com

Bei Rückfragen stehen wir Dir gerne zur Verfügung.

Das könnte Dich auch interessieren

Warum zu große DVT-Volumina ein Problem sind

Warum zu große DVT-Volumina ein Problem sind

Recht, Realität und ein praxisnaher Weg zu kleineren – aber treffsicheren – Aufnahmen In vielen Zahnarztpraxen ist es Alltag: Für eine klar umrissene Fragestellung wird eine DVT mit „etwas Reserve“ gefahren. Lieber ein größeres Volumen als ein zweites Mal röntgen, so...

mehr lesen
Strahlenschutz-Aktualisierung für ZFA 2025

Strahlenschutz-Aktualisierung für ZFA 2025

Was Zahnmedizinische Fachangestellte jetzt wissen sollten In der Zahnarztpraxis ist Röntgen ein vertrauter Bestandteil des Arbeitsalltags. Ob Einzelzahnaufnahme, Panorama oder DVT: Die Bildgebung liefert wertvolle Informationen für Diagnose und Behandlung....

mehr lesen
Radiologische Befundberichte in der Zahnmedizin

Radiologische Befundberichte in der Zahnmedizin

Warum radiologische Befundberichte in der Zahnmedizin unverzichtbar sind. Zahnärztinnen und Zahnärzte nutzen täglich bildgebende Verfahren – von klassischen Röntgenbildern bis zur digitalen Volumentomografie (DVT). Doch wie oft wird aus diesen Aufnahmen tatsächlich...

mehr lesen
Rayvolution Befundungs-Bootcamp

Rayvolution Befundungs-Bootcamp

Vom 18. bis 21. Sept. 2025 findet im Schaltwerk Freiburg ein einzigartiges Fortbildungsformat statt. Diese Veranstaltung, organisiert vom Digitalen Diagnostikzentrum, richtet sich an Zahnärzte, Kieferorthopäden, Oralchirurgen, MKG-Chirurgen, Radiologen und HNO-Ärzte,...

mehr lesen
Befundungs-Tool RAYDOC

Befundungs-Tool RAYDOC

Die digitale Befundung von Röntgenbildern spielt eine große Rolle in der modernen Zahnmedizin. Mit ↗︎ RAYDOC steht Dir ein leistungsstarkes Tool zur Verfügung, das Deine dental-radiologische Diagnostik verbessern wird. Doch was genau ist Raydoc, und welche Vorteile...

mehr lesen
DVT-Fachkunde: Wie bekomme ich die?

DVT-Fachkunde: Wie bekomme ich die?

Die digitale Volumentomografie (DVT) bietet in der Zahnmedizin zahlreiche Vorteile, insbesondere bei komplexen Diagnosen und Behandlungsplanungen. Doch bevor Du ein ↗︎ DVT-Gerät in Deiner Praxis nutzen darfst, musst Du eine spezielle Fachkunde erwerben. In diesem...

mehr lesen
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner